NOTSTROM

Notstrom im Detail: Was wird bei Stromausfall versorgt?

Nicht jedes System versorgt bei Ausfall das ganze Haus. Der Unterschied zwischen EPS, Full Backup und Schwarzstart ist entscheidend – und oft missverstanden.

Notstrom (EPS) vs. Ersatzstrom (Full Backup)

Notstrom – EPS

Emergency Power Supply: ausgewählte Steckdosen oder Stromkreise werden versorgt.

  • Einige Steckdosen / einzelne Stromkreise
  • Umschaltzeit je nach Gerät 10 ms bis 15 s (kurze Unterbrechung)
  • Günstigste Option, oft in WR integriert
  • Keine zusätzliche Unterverteilung nötig

Ersatzstrom – Full Backup

Das gesamte Haus wird bei Stromausfall automatisch versorgt.

  • Gesamtes Haus inkl. aller Steckdosen
  • USV-Funktion: Umschaltung unter 10 ms möglich
  • Höhere Investitionskosten
  • Zusätzliche Verdrahtung und Umschaltrelais

Umschaltzeit: Warum 10 ms wichtig sind

Beim Netzausfall muss der WR erkennen, dass das Netz weg ist, die Verbindung trennen und auf Inselbetrieb umschalten. Wie schnell das geht, entscheidet über das Wohlbefinden empfindlicher Geräte.

10 ms – 15 s

EPS-Umschaltzeit (herstellerabhängig)

GoodWe und Sungrow unter 20 ms, SMA ab 30 ms, Kostal und Fronius mehrere Sekunden. Für Licht, Heizungspumpe oder Router meist unkritisch – Router und PCs starten bei mehreren Sekunden aber neu.

< 10 ms

USV-Funktion (Full Backup)

Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Erforderlich für NAS-Server, medizinische Geräte, empfindliche industrielle Steuerungen.

Welche Geräte brauchen 0 ms?

NAS / Heimserver (Datenverlust bei Unterbrechung)
Medizinische Geräte (z. B. Schlafapnoegeräte)
Industriesteuerungen mit CNC / SPS
Desktops ohne eigene USV

Was wird typischerweise versorgt?

Der Speicher ist begrenzt. Deswegen gilt: Im Notfall nur das Notwendigste versorgen. Typische Prioritäten – mit ungefähren Leistungswerten:

Verbraucher Leistung
Kühlschrank / Gefriergerät 100–200 W
Licht (LED) 50–150 W
Router / Telefon 10–30 W
Heizungspumpe 50–200 W
Laptop / TV 50–150 W
Waschmaschine / Trockner 1.000–3.000 W

Tipp: Leistungsbedarf berechnen

Addiere die Watt-Werte aller Geräte, die du versorgen willst. Dividiere die Speicherkapazität (in kWh) durch den Gesamtverbrauch (in kW) – das ergibt die ungefähre Autonomiedauer in Stunden.

Installation: Was ist zu beachten?

Zusätzliche Verdrahtung (Full Backup)

Für Full Backup muss das Haus vom Netz getrennt und separat versorgt werden. Das erfordert ein automatisches Umschaltrelais (ATS), das die Netzverbindung allpolig trennt – normativ vorgeschrieben (VDE-AR-N 4105, DIN VDE 0100-551), um Rückspeisung zu verhindern.

Notstrom-Unterverteilung

Bei EPS werden typischerweise dedizierte Notstrom-Steckdosen in einem eigenen Stromkreis installiert. Diese sind im Schaltschrank klar von den normalen Stromkreisen getrennt und mit dem WR-Notstromausgang verbunden.

⚠️

Elektriker-Pflicht

Notstrom-Installationen müssen zwingend von einem zugelassenen Elektrofachbetrieb ausgeführt werden. Eigeninstallationen sind nicht zulässig und können im Schadensfall zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

Welche WR-Modelle können Notstrom?

Full Backup

Fronius Symo GEN24 Plus

PV Point (3 kW, Steckdose) und Full Backup mit externer Umschalteinrichtung; Umschaltzeit bis 10 s. Sehr weit verbreitet in DACH.

Full Backup

SMA Sunny Tripower Smart Energy

Vollständige Notstromfähigkeit, schwarzstartfähig; automatische Ersatzstromumschaltung ab 30 ms (einstellbar bis 10 s).

Full Backup

E3/DC Hauskraftwerk

All-in-One-System; 3-phasiger Ersatzstrom über die optionale ATS-Box, Umschaltung unter 20 ms. Bekannt für zuverlässigen Notstrombetrieb.

Full Backup

Sigenergy SigenStor

Integriertes All-in-One-System mit V2H und Full Backup. Schwarzstartfähig ab Werk.

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