SMART FEATURES
Was deine Wallbox können sollte
OCPP, ISO 15118, RFID, PV-Überschuss-Laden, Lastmanagement und Smart Home – welche Features wirklich nützlich sind und was dahinter steckt.
OCPP – Open Charge Point Protocol
Was ist das?
OCPP (Open Charge Point Protocol) ist ein offenes Kommunikationsprotokoll zwischen Wallbox und Backend-Server. Es ermöglicht herstellerunabhängige Steuerung und Überwachung.
Warum wichtig?
- Fernwartung und Fernsteuerung
- Lastmanagement über mehrere Wallboxen
- Dynamische Tarife (Tibber, aWATTar)
- Ladehistorie und Abrechnung
- Kein Vendor-Lock-in beim Backend
Versionen
OCPP 1.6
Weit verbreitet, gut unterstützt. Standard für Heim- und Gewerbeladung.
OCPP 2.0.1
Neu, mit ISO 15118-Support und erweitertem Smart Charging. Für V2G erforderlich.
Fazit
OCPP ist Pflicht, wenn du Lastmanagement betreiben oder mehrere Wallboxen steuern willst. Achte auf OCPP 2.0.1 wenn du V2G planst.
Praxis-Hinweis: Open-Source-Backends
Statt proprietärer Cloud-Dienste kannst du OCPP-kompatible Open-Source-Backends selbst betreiben: evcc (beliebt für PV-Integration, läuft auf Raspberry Pi), openWB (Wallbox + HEMS in einem) und Loxone (Smart-Home-Plattform mit OCPP-Unterstützung). Das spart laufende Kosten und gibt dir volle Datenkontrolle.
ISO 15118 / Plug & Charge
Was ist das?
ISO 15118 definiert die direkte Kommunikation zwischen Auto und Wallbox über das Ladekabel – ohne App oder Karte. Das Auto authentifiziert sich automatisch: Plug & Charge.
Warum wichtig?
- Automatisches Laden ohne App/Karte
- Grundlage für bidirektionales V2G
- Smartes Lademanagement direkt im Auto
- EU schreibt ISO 15118-20 ab 2027 vor
- Basis für dynamische Tarife im Fahrzeug
Versionen
ISO 15118-2
Basisversion mit Plug & Charge, AC- und DC-Laden. Heute verfügbar.
ISO 15118-20
Bidirektional (V2G), drahtlose Kommunikation (WPT), ab 2027 EU-Pflicht für neue Wallboxen.
Fazit
ISO 15118-20 ist die Grundlage für echtes V2G. Wer heute eine Wallbox kauft und V2G plant, sollte auf ISO 15118-20-Kompatibilität oder zumindest Upgrade-Fähigkeit achten.
RFID & Autorisierung
RFID-Karte
RFID (Radio Frequency Identification) ermöglicht Zugangssteuerung per Chipkarte oder Schlüsselanhänger. Besonders wichtig wenn mehrere Personen dieselbe Wallbox nutzen – jeder Nutzer erhält eine eigene Karte, Ladekosten werden separat erfasst.
- Pflicht für eichrechtskonforme Abrechnung (Firmenauto)
- Mehrere Nutzer mit eigenen Profilen
- Whitelisting: Nur bekannte Karten erhalten Zugang
- RFID-Karte ist ausfallsicherer als App
App-Steuerung & Alternativen
Die meisten modernen Wallboxen bieten zusätzlich eine Smartphone-App für Fernüberwachung, Ladehistorie und Zeitpläne. Für Einzel-Haushalte oft ausreichend.
- App: Fernzugriff, Ladestatistiken, Zeitpläne
- NFC: Laden per Smartphone-Tipp (neuere Modelle)
- Bluetooth: Lokale Steuerung ohne Internet
- Autostart: Laden beginnt sofort beim Einstecken
Tipp: Für Eigenheim mit Einzelnutzung reicht Autostart oder App. RFID ist relevant bei Firmenfahrzeugen oder mehreren Nutzern.
PV-Überschuss-Laden
PV-Überschuss-Laden bedeutet: Die Wallbox lädt das Auto nur (oder bevorzugt) dann, wenn die eigene Photovoltaikanlage mehr Strom produziert als der Haushalt gerade verbraucht. Das maximiert den Eigenverbrauch und minimiert teuren Netzbezug.
So funktioniert es
- HEMS misst Hausverbrauch und PV-Ertrag laufend
- Überschuss wird automatisch in Auto geleitet
- Minimale Ladeleistung: ca. 1,4 kW (einphasig)
- Ladestopp bei Wolken, Wiederanlauf bei Sonne
- Kombinierbar mit Batteriespeicher
HEMS-Systeme
evcc
Open Source, Raspberry Pi, sehr flexibel
SMA Sunny Home Manager
Fertiglösung, gut mit SMA-Wechselrichtern
Solar-Log
Professionell, für größere Anlagen
Loxone
Smart Home Plattform mit PV-Integration
Kommunikationsprotokoll Wallbox ↔ HEMS
Modbus TCP
Direkt, schnell, kein Cloud-Zwang. Bei vielen Wallboxen verfügbar.
OCPP
Flexibel, herstellerunabhängig. HEMS agiert als Backend-Server.
EEBus
Neuerer Standard, besonders für V2G und komplexe HEMS-Szenarien.
Lastmanagement
Lastmanagement verhindert, dass Wallboxen den Hausanschluss überlasten – besonders relevant wenn mehrere Wallboxen oder andere Großverbraucher (Wärmepumpe, Herd) gleichzeitig laufen.
Statisches Lastmanagement
Feste Leistungsverteilung
- Maximale Ladeleistung fest vorkonfiguriert
- Keine Messung des Hausverbrauchs
- Einfache Einrichtung, keine Zusatzhardware
- Günstiger in Anschaffung und Betrieb
- Sinnvoll bei genug Reserve am Hausanschluss
Beispiel: 2 Wallboxen je 11 kW, statisch auf 6 kW begrenzt – egal was sonst im Haus läuft.
Dynamisches Lastmanagement
Intelligente Messung
- Laufende Messung am Hausanschluss
- Ladeleistung passt sich Hausverbrauch an
- Maximale Ausnutzung des Anschlusses
- Benötigt Smart Meter oder Energiezähler
- Empfohlen bei mehreren Wallboxen oder Mehrfamilienhaus
Beispiel: Hausanschluss 63 A. Wärmepumpe zieht 20 A, Herd 10 A → Wallbox bekommt dynamisch die restlichen ~30 A.
Wann ist Lastmanagement Pflicht?
Bei mehreren Wallboxen an einem Hausanschluss ist Lastmanagement in der Regel technisch notwendig, um den Anschluss nicht zu überlasten. Im Mehrfamilienhaus schreiben viele Netzbetreiber Lastmanagement vor. §14a EnWG erlaubt Netzbetreibern, Wallboxen bei Engpässen zu dimmen – dynamisches Lastmanagement reagiert darauf automatisch.
Smart Home & HEMS
Integration & Plattformen
Viele Wallboxen lassen sich in Smart-Home-Systeme einbinden – allerdings unterstützt nicht jede Wallbox jede Plattform.
Home Assistant
Open Source, sehr flexibel, riesige Community. Viele Wallboxen per Integration einbindbar.
KNX
Professioneller Gebäudebus. Für Neubauten mit KNX-Infrastruktur sinnvoll.
Loxone
All-in-one Smart-Home + Energiemanagement. Native Wallbox-Integration verfügbar.
Mögliche Automatisierungen
- "Lade wenn Tibber-Strompreis unter 15 ct/kWh"
- "Lade ab 22 Uhr bis 80 % – Niedertarif nutzen"
- "Stopp wenn Batteriespeicher unter 20 %"
- "Starte Laden wenn PV-Ertrag über 2 kW"
- "Benachrichtigung wenn Laden abgeschlossen"
Wichtig: Nicht alle Wallboxen unterstützen alle Protokolle und Plattformen. Prüfe Kompatibilität vor dem Kauf!
Welche Wallbox hat die besten Smart Features?
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